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Sanierte Scheune vor dem Einsturz bewahrt
Um in die Scheune zu gelangen, sind sie über den Zaun zum Nachbargehöft geklettert – das Wasser hatte schon Geröll und Schlamm vor ihr Tor gespült. Am Flutsamstag waren die Müllers in ihre Werkstatt geeilt, um das Schlimmste zu verhindern. Gemeinsam mit Freunden stopften sie lange Löcher, durch die das Wasser ins Gebäude drang. „Wie in Kaskaden kam das Wasser vom Feld über die Straße und drückte gegen unsere Scheunenwand“, sagt Peter Müller, Inhaber der Zimmerei, die hier ihre Werkstatt hat. Am Nachmittag mussten sie ohnmächtig zusehen, wie es immer mehr wurde. Gegen 16 Uhr stürzte zuerst die Ecke des Gebäudes ein und sie brachten sich in Sicherheit. Vom Hof aus mussten sie dann miterleben, wie nach und nach zehn Meter der alten Natursteinwand einbrachen. Die kleine Poche neben dem Haus war zum reißenden Bach geworden, hatte die Fundamente untergraben und floß nun auch durchs Gebäude. „Als das dann losging, hat der Bach die 50 Quadratmeter neuen Dielenboden auf einen Schlag um etwa einen Meter angehoben“, ist Müller heute noch beeindruckt.
Nach der Sanierung der Scheune hatten die Müllers kurz vor dem Hochwasser eine neue Blockstube eingebaut, die ihnen im Winter Leimarbeiten ermöglichen sollte. „Die hat den Dachstuhl dann zum Glück vor dem Einsturz bewahrt“, erklärt Müller.
Die wunderschöne alte Scheune bietet jetzt einen traurigen Anblick: Die Ecke fehlt ganz, die Wand ist auf zehn Metern Länge eingefallen und das Dach wird nur noch von drei Stützen gehalten, die auf einem provisorischen Dämmchen im Bach stehen. „Wir sind ja schon froh, dass wir überhaupt abstützen konnten.“ Bis zum Feierabend am Freitag mussten sie warten, dass sie für ihre Stützen festen Grund hatten. Arbeiter der Zittauer Baufirma Osteg hatten am Donnerstag Nachmittag endlich angefangen, den Bachlauf zu beräumen, sodass das Wasser wieder abfließen konnte. Bei dieser Gelegenheit wurde auch das provisorische Fundament aufgeschüttet.
Zusammen mit seinem Sohn Tobias betreibt Peter Müller die kleine Firma. Besonders auf Umgebindehäuser haben sie sich spezialisiert. Im Moment sind sie ständig unterwegs. Die Leute, die vom Hochwasser betroffen sind, würden sie sogar auf der Straße anhalten. „Alle brauchen Beratung und Hilfe. Es weiß ja keiner so genau, was aus dem feuchten Fußboden oder der Blockstube wird“, sagt Tobias.
Die Müllers hoffen nun selbst auf staatliche Hilfe. Die steuerlichen Vergünstigungen seien zwar nicht schlecht, aber dafür müsse man ja erstmal das Geld aufbringen. „Mit einer Zwei-Mann-Firma kann man einfach nicht so große Rücklagen erwirtschaften“, meint Tobias. „Zur Not müssen wir eben das Ganze aus Holz wieder aufbauen. Das können wir wenigstens selbst“, fügt Peter Müller hinzu. „Aber aufgeben? Niemals!“ Von einem Kredit halten die Beiden nichts und wollen erstmal abwarten, bis sie einen Überblick über die Kosten haben. „Im Moment hat doch keiner Zeit. Wir erleben doch selbst, wieviel die Baufirmen zu tun haben.“
Wenn das Wasser abgelaufen ist, wollen sie sich ein genaues Bild machen. In die offenliegende Blockstube haben sie vorerst eine Sicht- und Diebstahlsschutzwand eingezogen, um weiter arbeiten zu können Denn das wollen sie auf jeden Fall. „Die Leute sollen bloß nicht denken, dass wir jetzt aufhören.“
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Quelle: Sächsische Zeitung vom 19.08.2010 Autor: Thomas Zenker



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