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Baudenwirt feiert runden Geburtstag
Ein Kran war am Donnerstagabend nötig, um Johannes Hüttel sein Geburtstagsgeschenk zu übergeben. Der Wirt der Rübezahlbaude in Waltersdorf ist davon sichtlich beeindruckt. Wer bekommt schon ein 3,50 Meter großes Geburtstagsgeschenk. Aber für Johannes
uml;ttel hätte es passender kaum sein können. Unübersehbar steht der Rübezahl nun wieder vor seiner Rübezahlbaude.
Auf den tollen Einfall für das Geschenk ist der Waltersdorfer Wolfgang Schönemann gekommen. „Die Idee hierfür hatte ich schon vor zwei Jahren“, erinnert sich der 66-Jährige. Damals fiel ihm durch Zufall ein altes Foto von der Rübezahlbaude in die Hände. Auf einem riesigen Baumstamm steht da übermannsgroß ein hölzerner Rübezahl. „Das wäre ein tolles Geschenk“, denkt er. Wolfgang Schönemann zeigt es Freunden und Bekannten. Sie sind wie er begeistert.
Der Tischler- und Glasermeister Jens Ehrentraut in Ebersbach erkennt sofort, dass auch er so ein altes Familienfoto vom Rübezahl vor der Baude hat. Und er weiß auch genau, wann es aufgenommen wurde. Denn das einjährige Kind, das darauf eine Mutter auf ihrem Arm hält, ist heute 70 Jahre alt.
Immer mehr Leute erfahren von dem Plan für das Geburtstagsgeschenk und beteiligen sich daran. Keiner von ihnen weiß, wann und warum der Rübezahl vor der Baude verschwand. Es muss irgendwann zu DDR-Zeiten passiert sein.
70 Jahre altes Foto als Muster
Ein kräftiger, zwei Meter hoher Stamm wird besorgt, auf dem der Rübezahl wie einst vor 70 Jahren stehen soll. Die Holzbildhauermeisterin Anett Wirthgen lässt die Sagengestalt auferstehen. Sie schnitzt auch die Figuren, die die Wegweiser zieren, die in den Stamm eingelassen sind. „Uns ist schnell klar geworden, dass es nicht billig wird, wenn wir alles wie auf dem Foto nachbauen wollen“, sagt Wolfgang Schönemann. Aber bei der Volksbank haben sie einen kompetenten Partner, der schnell zur ersten Anlaufstelle für das Projekt wird. Weitere Geschäftspartner, Stammgäste, Mitarbeiter und andere Bekannte von „Hüttel-Hannes“, wie sie ihn nennen, beteiligen sich an dem Projekt. Die einen geben Geld, die anderen bringen ihre Arbeit ein. „Bei Jens Ehrentraut hat die ganze Familie tagelang die Buchstaben für die Wegweiser ausgefräst, geschliffen und dann schön bunt angemalt“, erzählt Schönemann.
Die Hoch- und Tiefbau Firma Dehmel aus Hirschfelde bugsierte nun gestern das insgesamt 3,50 Meter große Meisterwerk zur Hubertusbaude. So wie einst steht Rübezahl jetzt wieder an der Lausche. Wegweiser zeigen dem Wanderer an seinem Sockel den Weg zum Jägerdörfel und anderen Ausflugszielen. Schnitzereien über das Leben der Oberlausitzer, zieren die Wegweiser. Da darf das Pferdegespann genauso wenig fehlen, wie der Wanderer oder die Weber, die ihre Stoffe zum Verkauf wegschaffen.
Ein begeisterter Jubilar
Ein Schild am Stamm verrät dem Jubilar, wer sich an der Überraschung beteiligt hat. Und nicht nur für sie, sondern auch für all die vielen Gäste, die ihn in all den Jahren als Baudenwirt kennenlernten, steht fest: Es ist ein würdiges Geschenk für einen der bekanntesten und beliebtesten Wirte in der Oberlausitz. Seit 1991 betreibt Johannes Hüttel die Rübezahlbaude und belebt den Tourismus auch Dank der großen Unterstützung seiner Ehefrau und seiner Schwester. 1981 sammelte er einst in der Grenzbaude in Waltersdorf seine ersten Erfahrungen in der Gastronomie.
Quelle: Sächsische Zeitung vom 16.07.2010 Autor: Holger

