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Beschreibung des Dorfgebietes

Beschreibung des Dorfgebietes

Lage und Grenzen

Das Dorfgebiet der beiden Gemeinden Groß- und Neuschönau liegt im königlich Sächsischen Anteile der Oberlausitz von der Stadt Zittau abendwärts an der Böhmischen Grenze. Diese scheidet dasselbe von dem Grund´schen und Warnsdorfer Fluren. Gegen Mitternacht und Morgen wird es von Hainewalde und, teilweise durch das Pochewasser, vom Bertsdorfer Gebiete und gegen Mittag von Saalendorf, Altwarnsdorf und Herrnwalde begrenzt. Diese Grenzen sind überall genau bestimmt. Ein einzigartiger Punkt ist der sogenannte Haderplan, unfern des Knobelsbusches, da, wo die Hainewalder, Großschönauer und Warnsdorfer Grenzen zusammenkommen. Eine Hauptrevision der Grenze zwischen dem Zittauer Ratsgebiete und der Fürstlich Lichenstein´schen Herrschaft Rumburg, so weit sie Großschönau berührt, fand am 13. Mai 1732 statt. Rainsteine wurden am 30. Juni desselben Jahres gesetzt. Großschönauer Grenze mit Böhmen erfolgte im Jahre 1789. Zwischen Großschönau und Hainewalde sind solche Grenzberechtigungen bekannt: vom 3. August 1762, 2. November 1775, 9. Oktober 1776 und vom 24. Mai 1786. Am 3.Oktober 1792 kam die Teilung eines seit langen Jahren streitigen und unbenutzten Stückes Aue zwischen Großschönau und Hainewalde zu Stande.

Größe und Ausdehnung.

Da noch keine sorgfältige Vermessung stattgefunden hat, so lässt sich der Flächeninhalt nur nach ungefährer Berechnung angegeben. Die geografische Ausdehnung fällt zwischen 16 bis 20 Min. des 32. Grades östliche Länge und zwischen 53 und 55 Minuten des 50 Grades nördliche Breite. Der Flächenraum kann, ohne die Unebenheiten in Anschlag zu bringen, nur zu 1/5 Meile angenommen werden. Die wirkliche Anzahl Scheffel Landes mag über 5000 und einige Hundert betragen, jeden zu 150 Ruthen berechnet.

Wege und Beschaffenheit des Bodens.

Das Dorfgebiet gehört zu dem großen Tale, welches von dem Sonneberge bei Saalendorf, den Vorgebirge der Lausche, der Bergkette zwischen Grund und Schönborn, dem Worbsberge zwischen Warnsdorf und Seifhennersdorf, dem Warnsdorfer Spitzberge, den Anhöhen zwischen Großschönau, Hainewalde und Spitzkunnersdorf, dem Breiteberge, dem Katzenkopfe und den Jonsdorfer Bergen als seine natürlichen Grenzen eingeschlossen wird. Vom Dorfe aus steigt man daher überallhin aufwärts, und nur dem Laufe der Mandau nach geht es abwärts in das enge Tal, in welchem Hainewalde liegt. Die Großschönauer Fluren werden von größeren und kleineren Bergen durchschnitten. Die Hauptpartie derselben bildet der Hutberg mit seinen verschiedenen Abhängen. Der Hutberg, welcher nicht von der Gestalt eines Hutes, sondern von der Huthung seinen Namen erhalten hat, steigt von der Abend-, Mitternacht-, und Morgenseite überall an; nur an von der Mandau bespülten Mittagsseite ist er steil, und hier liegen die Felsen zu Tage. Da alle umliegenden entfernten Berge den Hutberg an Höhe übertreffen – obgleich seine Höhe über der Meeresfläche wenigstens zu 1100 Pariser Fuß angenommen werden kann – so hat man von demselben nur eine beschränkte, auf der Mitternachtsseite durch Busch verdeckte, aber auf das Dorf, so wie nach Jonsdorf, Waltersdorf und Warnsdorf hin sehr angenehme Aussicht. Die entferntesten Berge der Aussicht sind der Tannenberg, der Hochwald, der Ameisen- und Töpferberg und die Tafelfichte. Als westlicher Abhang des Hutberges ist der Steinberg zu betrachten, weiterhin nordwestlich vom Hutberge liegt der Pfaffenberg, bei dem sogenannten wüsten Vorwerke. Eine Fortsetzung des westlichen Abhanges vom Hutberge ist der Kellerberg unfern der ehemaligen Vorwerksgebäude und an der Hainewälder Grenze der Jachelberg , wo die Mandau eine nördliche Richtung nimmt. Einen zweiten Hauptzug bilden die sogenannten obern Berge an der Böhmischen Grenze, auf dem rechten Ufer der Mandau und auf der Süd- und Ostseite zum Teil von der Lausur bespült. Auch sie gewähren eine treffliche Aussicht. Fortsetzung und Abhänge derselben sind der Goldberg und der sogenannte Schulberg. Jener bildet gleichsam die östlichste Wurzel der oberen Berge und wird auf seiner südöstlichsten Seite, wo sein Gestein entblößt sich zeigt, von dem linken Ufer der Lausur begrenzt. Der Schulberg ist ein nordöstlicher Abhang obern Berge und liegt dem Hutberge gegenüber am rechten Ufer der Mandau. Auf der Ostseite wird sein Fuß von der Lausche bewässert. Dem Goldberge gegenüber erhebt sich der Buchberg auf geschwemmtes Hügelland, auf der westlichen und nördlichen Seite von der Lausur bespült. Der Kraftberg, welcher zwischen der Lausur und dem Pochewasser in weiten Abhängen sich ausdehnt, liegt dem Kellerberge gegenüber hart am rechten Ufer der Mandau. An der Uferseite fällt er steil ab und die nordwestliche Spitze zeigt entblößte Felsen. Auch auf der Abendseite stieg er ehemals, wie noch vom Steinmühlteiche aus, sehr steil an und verursachte dem Zugvieh große Kraftanstrengung, wovon wahrscheinlich der Name abzuleiten ist. In neuer Zeit ist der Kraftberg durch Straßenbaue mehr abgeplattet worden und dadurch jetzt mehr als 50 Fuß niedriger als vor 30 Jahren. Der höchste Punkt des Dorfgebietes ist die Kuppe des Hutberges, der niedrigste die Hainewalder Grenze wo die Mandau das Großschönauer Gebiet verlässt. Hier beträgt die Höhe über dem Meere gewiss noch über 800 Pariser Fuß.

Gewässer

Die Niederungen der Dorffluren sind sehr Wasserreich. Der Hauptfluss der

Mandau oder das alte Wasser, entspringt zu Herrnwalde in der Schluckenauer Herrschaft, berührt in seinem Laufe bis Großschönau die Orte Ehrenberg, Rum-burg, Oberhennersdorf, Seifhennersdorf, Franzenstal und Warnsdorf und tritt von hier aus in ein enges, rechts von den Abhängen der oberen Berge und des Kraftberges und links vom Hutberg und seinen Abhängen gebildetes Tal, durch-strömt dasselbe von Abend gegen Morgen in verschiedenen Krümmungen, teilt sich im Niederdorfe (eine kleine Insel, die breite Aue genannt, umspülend) und nimmt mit dem Eintritte in das Hainewalder Gebiet eine nördliche Richtung, fließt von da nach Scheibe, Mittelherwigsdorf und Pethau und fällt bei Zittau in die Neisse. Die Mandau teilt das Dorfgebiet in die nördliche und südliche Hälfte und wird auf demselben durch die Lausur und das Pochewasser bedeutend verstärkt. Die Erstere kommt ebenfalls aus Böhmen. Sie entspringt bei Neudörfel, durchfließt Ober- und Niedergrund und wird hier durch einen im sogenannten Meissengrunde hinter dem Tollenstein quellenden Bach verstärkt. Hierauf trifft sie aus dem engen Grunde in nördliche Richtung in ein weites Tal, durchfließt Neuschönau, nimmt von hier das Waltersdorfer, durch den Neu-schönauer Teich fließende Wasser auf, bespült den Fuß des Goldberges und Buchberges, wird auf dem oberen Viehwege unterhalb des den Mühlgraben der Obermühle ableitenden Wehres durch ein auf Saalendorfer Grund und Boden entspringendes und durch den Pitschelteich fließendes Bächlein verstärkt und ergießt sich nach vielgekrümmten schnellen Laufe mitten im Dorf zwischen dem Schul- und Kraftberge in die Mandau. Wie alle Gebirgswasser, schwillt die Lausur leicht an, tritt aber der meist hohen Ufer wegen selten aus. Das Lausurtal gewährt besonders bei den sogenannten Vierhäusern angenehme Ansichten. Der Name der Lausur ist alt. Schon im Jahre 1550 wird sie die Lause, wie noch jetzt im Volksmund genannt. Im Niederdorfe, nahe der Grenze von Hainewalde zwischen dem Kraftberge und dem Breiteberge, nimmt die Mandau das Pochewasser auf. Dieses kommt von Neujonsdorf, und hat seinen Namen von einem im 16ten Jahrhundert in jener Gegend befindlichen, durch den Bergbau veranlassten Pochewerke. Es hat einen sehr reisenden Lauf und schlängelt sich in unzähligen Windungen durch ein sehr angenehmes Tal. Die auf den Dorffluren befindlichen Teiche bilden das Großschönauer Teichrevier. Hierzu gehören: der Goldfabian-, Pitschel-, Mühl-, Aue-, Kuh-, Alt-, Brau-, Schloss-, erster und zweiter Forellenteich. Die übrigen Teiche, man zählt deren 23, werden entweder nicht angespannt oder sind doch nicht zur Fischzucht benutzt, sind meist Privateigentum und von geringer Größe. Von den beträchtlichen Teichen ist noch folgendes zu merken: Der Aueteich im Oberdorfe erhält seine Zuflüsse teils durch Feldwasser, teils durch einen aus der Mandau abgeleiteten Graben. Das deshalb ehemals unterhaltene sogenannte obere Wehr ist durch eine Eisflut am 11. Februar 1811 zerstört und seitdem nicht wieder hergestellt worden. Die Zeit der Anlegung dieser Teiche kann nicht angegeben werden, nur den kleinsten Teil des Jahres ist er entspannt. Der Steinmühlteich liegt im Niederdorfe oberhalb der Steinmühle am westlichen steilen Abhänge des sogenannten Kraftberges. Er erhält ebenfalls seine Zuflüsse durch Feldwasser und durch den unweit des zweiten Schulhauses aus der Mandau abgeleiteten Mühlgrabens. Dieser Teich wurde höchstwahrscheinlich bei Erbauung der Steinmühle vom damaligen Besitzer Großschönaus, Hertwigs von Nostitz, und vor dem Jahre 1850 angelegt. Der Grund und Boden gehört teilweise zum Bauerngute unter Nr. 64a, denn in einem alten Kaufbrief vom 04. Dezember 1602 wird des halben Grafes in diesem Teiche gedacht, welches der Besitzer jenen Gutes laut eines Vertrages mit Hertwig von Nostitz zu benutzen hat. Der Schlossteich auf dem Hofe neben den ehemaligen herrschaftlichen Vorwerksgebäuden, ist jetzt nur mit Schilf bewachsen. Die Insel auf diesen Teiche, welche ein Damm mit der Straße verbindet, enthält einen Garten mit Sommerhäuschen und gehört dem Gärtner und Damastfaktor Herrn Wäntig. Der Goldfabianteich auf dem Grund und Boden des Bauerngutes Nr. 23 hat seinen Namen von Fabian Goldberg, in den Schöppenbüchern gewöhnlich Goldfabian genannt, welcher jenes Bauergut von 1537 bis 1558 besaß und diesen Teich wahrscheinlich anlegt hat. Der Pitschelteich liegt hinter den Bauerngütern unter Nr. 62., 64., und 72. und erhält seinen meisten Zufluss durch ein von Saalendorf herkommendes Bächlein, welches, wie oben bemerkt, auf dem oberen Viehweg in die Lausur fällt. Dieser Teich wurde von dem Besitzer Großschönaus, Thielle Knebel, im Jahre 1539 angelegt. Thiele Knebel zu diesem Behufe von drei Bauern, Nickel Dreschern, Michel Pitschel und Hans Hänsch, die hinteren Felder ihrer Güter bis an die Waltersdorfer Grenze zusammen für 165 Zittauer Mark und 100 kleine Mark. Am 4. Januar 1834 durchbrach die Wassermenge bei schnell eintretenden Tauwetter den Damm dieses Teiches, überschwemmte einen Teil des oberen Viehweges und ruinierte zum Teil die neue Straße nach Waltersdorf. Im Jahre 1835 wurde der Damm wieder gebaut. Der Grund´sche Teich zwischen der Pfarrwiedermuth und dem ehemaligen oberen Vorwerk erhält seinen Zufluss durch das Waltersdorfer Wasser, ist aber jetzt nicht angespannt. Er heißt auch der Neuschönauer Teich. Außerdem sei noch erwähnt der Pfarrteich, unweit der Pfarrwohnung, der breite Grundteich auf dem Hofefelde u. a. m. Diese Gewässer haben durch Regengüsse oder Eisfluten bisweil starke Überschwemmungen verursacht. Die Nachrichten bemerken folgende: Bei der Wasserflut vom Jahre 1610 soll das Wasser in der Steinmühle fast 3 Ellen hoch gestiegen sein. Am ersten Pfingstfeiertage 1666 in der Nacht entstand durch einen Wolkenbruch bei heftigen Gewitter eine große Wasserflut, welche ein Haus, Hans Maien gehörig, einriss. Bedeutender war aber der Schaden, welchen der Wolkenbruch am 11. August 1689 früh halb 3 Uhr bei zwei heftigen Gewittern anrichtete. Dieser Wolkenbruch fiel zwischen Waltersdorf und Großschönau, und das Wasser überschwemmte Gärten, Wiesen und Felder, ruinierte viel Getreide, nahm Holzvorräte und allerhand Hausrat mit und schwemmte auch Häuser und Bleichhütten samt Leinwand fort. Das Wasser stieg noch eine viertel Elle höher als im Jahre 1666. Andere Überschwemmungen ereigneten sich am 28. Mai 1731 am Bußtage, den 10 Juli 1733, 1762, am 29. und 30. Juni 1778 durch einen im sogenannten Zapfendörfel gefallenen Wolkenbruch, welcher die Lausur anschwellen und die steinerne Brücke über dieselbe stark beschädigte. Ferner am 18 September 1786, am 9. Juli 1803 und am 18 September 1786, am 09. Juli 1803 und am 13 bis 16. Juni 1804, wo anhaltende Regengüsse die Breiteaue ganz unter Wasser setzten und großen Schaden verursachten. Große Eisfluten waren: am 18. Februar 1731, 1744, 1760, am 16. und 17. April 1785, am 27. und 28 Januar 1789, am 24. und 25. Februar 1799, 1800, in der Nacht vom 25. zum 26 Dezember 1803, am 12. Februar 1807, am 28 Februar 1810 und am 11. Februar 1811. Alle diese Eisfluten richteten mehr oder weniger Schaden an. Bei der Eisflut von 1799 riss eine Eisscholle die niedere Säule des Gottlob Göhlen gehörigen Hauses unter Nr. 305. weg, dass das Haus zusammenstürzte. Auch andere Häuser wurden stark beschädigt. Die Eisflut vom Jahre 1811 zerstörte das obere Wehr ganz und das Mittelwehr zum Teil. Das Wasser drang in viele Stuben, besonders auf der breiten Aue, und stieg bis anderthalb Ellen hoch. Auch an Brunnenwasser ist kein Mangel. Außer den sogenannten Röhrwassern, deren 13 gezählt werden, wurden im Jahr 1827 73 Schöpfbrunnen und 38 Ziehbrunnen aufgezeichnet. Im Jahre 1777 zählte man 17 Rührwasser und 56 Brunnen. Im Jahre 1810 waren nur 28 Ziehbrunnen vorhanden. Vorzüglich gutes Wasser enthält der Brunnen auf dem Bauerngute unter Nr. 72. (In früheren Zeiten mögen die Brunnen selten gewesen sein. Die Benutzung derselben von Fremden war eine besondere Vergünstigung des Eigentümers. So wurde 1570 am Donnerstage nach Estomini zwischen dem Pfarrer Wolfgang Eneglmann und Fabian Linke´s Wittwe in Nr. 167. wegen Benutzung des Quellborns auf dem Gute der letzteren ein besonderer Vergleich geschlossen.

Naturprodukte

Eine Aufzählung aller Naturprodukte des Dorfgebietes setzt sorgfälltige Untersuchungen voraus, welche noch vorgenommen werden sollen. Bis dahin mögen folgende wenige Bemerkungen genügen. Granit ist die Grundlage des ganzen Gebirges im Zittauer Kreise, folglich auch der Berge des Dorfgebietes. Auf ihm liegt hornartiger Porphir. So beim Goldberge und beim Hutberge, wo er mit Feldspat und Schorlkörnern vermischt sich zeigt. Schwefelkies und Kristallisationen finden sich häufig, ebenso versteinertes Holz, Torferde; auch sind Spuren von Braunkohle entdeckt worden. Der Boden im Allgemeinen ist sehr schwer und steinig, enthält auch Sand und Lehmlager, und fruchtbare Tristen fehlen nicht. Sumpf und Moorstellen gibt es wenig. Die Versuche des hiesigen Bergbaus „beim heiligen Geist“ mögen wenig lohnend gewesen sein. Vielleicht erinnert der Name einer tiefen Stelle in der Lausur bei den Vierhäusern, der Name des Hammertumpfes, der im Jahre 1577 vorkommt, an ein in dieser Gegend befindliches Hammerwerk. Aus dem Bereich der Pflanzenwelt ist zuvorderst der Waldung zu gedenken. Die Waldungen und Gehölze nehmen ungefähr den fünften Teil des Flächenraumes ein und liegen zerstreut teils gegen Mitternacht, teils gegen Mittag, teils gegen Morgen. Nach den neuesten Messungen und den Angaben des Flurregisters von 1835 betragen sie 1129 Scheffel 57 Ruthen Landes. Davon sind 669 Scheffel 132 Ruthen herrschaftlich, 20 Scheffel beträgt der Kirchenbusch, 4 Scheffel der Gemeindebusch, 38 Scheffel der Knobelsbusch, 9 Scheffel 75 Ruthen besitzen Bertsdorfer, Saalendorfer und Waltersdorfer Einwohner, und die übrigen 388 Scheffel gehören den Großschönauer Bauern und Gärtnern. Vor alten Zeiten mögen diese Waldungen mehr Raum eingenommen haben. Sie sind jedoch schon seit langer Zeit auf ihre jetzigen Grenzen beschränkt, wenn auch sonst, wie anderwärts, ein größerer Holzbestand vorhanden war, als jetzt. Unter den einzelnen Forststücken verdient der Knobelsbusch noch einer geschichtlichen Erwähnung. Dieser Knobelsbusch gehört zur Fürstlich Lichtenstein’schen Herrschaft Rumburg und ist von allen Seiten Oberlausitzischem Grund und Boden umgeben, etwa 256 Ellen von der Böhmischen Grenze entfernt. Er grenzt gegen Abend mit dem zum Bauergute Nr. 259. gehörigen Busche, gegen Mitternacht mit dem Hainewalder herrschaftlichen Busche, gegen Morgen mit dem zum Bauergute unter Nr. 302 gehörigen Busche und gegen Mittag mit den Feldern der Bauergüter unter Nr. 270, 272. und 273., wozu er anfänglich gehört haben soll. Ferner meldet die Sage, dass ehemalige Besitzer dieser drei Güter den Knobelsbusch in teurer Zeit gegen einige Scheffel Getreide verpfändet hätten. Dieser Sage mangelt es an historischer Begründung. Folgende, auf Urkunden gegründete Vermutung möchte die Frage, auf welche Weise der Knobelsbusch zur Rumburger Herrschaft gekommen sei. Wohl am entscheidensten beantworten lassen. Ohnstreitig gehörte der Knobelsbusch zum sogenannten wüsten Vorwerke, da er mit den Bauergütern grenzt, welche aus diesem Vorwerke gebildet worden sind. Thiele Knebel, Erbherr von Großschönau, verkaufte Mittwochs nach dem heiligen Ostertage 1545 das wüste Vorwerk an drei Gärtner und setzte es für drei halbe Hufen aus, eben jene drei Bauergüter unter Nr. 270., 272. und 273. Nun wird zwar in der Verkaufsurkunde der Knobelsbusch mit keiner Silbe erwähnt, er blieb aber höchstwahrscheinlich herrschaftliches Eigentum, weil auch beim dem Verkauf des oberen Vorwerks der Busch vorbehalten wurde und weil der fragliche Busch im Jahre 1587 wirklich im Besitz der Herrschaft war, als Hertwig von Nostiz Großschönau an den Zittauer Rat verkaufte.

Die über diesen Kauf unterm 14. Januar 1587 ausgefertigte Urkunde erwähnt unter den erblichen Vorbehaltsstücken ausdrücklich eines Stücklein Holzes auf dem wüsten Forberge an der Warnsdorfer Grenze gelegen, welches nur der sogenannte Knobelsbusch sein kann, da ein anderes Stück Holz als zum ehemalig wüsten Vorwerke gehörig sich nicht nachweisen lässt und der Ausdruck: „an der Warnsdorfer Grenze gelegen“ in seiner Allgemeinheit bei der nicht weiten Entfernung der Böhmischen Grenze wohl gelten kann. Wenn der Knobelsbusch also erbliches Eigentum Hertwigs von Nostitz blieb, nach dessen im Jahre1607 erfolgten Tode mit dem Niedergute zu Warnsdorf an die Familie von Kottwitz und dann mit der Rumburger Herrschaft an die Fürstlich Lichtenstein´sche Familie kam, und wenn bei diesen Besitzveränderungen sonach der Knobelsbusch als ein Pertinenzstück von Warnsdorf betrachtet worden ist, so wäre der Verlauf der Sache klar genug, und hiermit historisch erwiesen, dass jener Busch seit 1545 stets vom wüsten Vorwerke und den daraus ausgesetzen Bauerngütern abgesondert gewesen ist. Eine Verpfändung, wie die Sage will, konnte nur zwischen 1545 und 1587 statt finden, wenn der Busch beim Verkauf des wüsten Vorwerks nicht vorbehalten wurde. Vielleicht ist eine Ausgleichung, die bei mehrmaligen Untersuchungen, z .B. am 18.April 1811 nicht ermöglicht werden konnte, nicht mehr fern und durch Austausch am leichtesten zu bewerkstelligen.

Der Kirchenbusch liegt hinter der Wiedemuth an der Waltersdorfer Straße; der Gemeindebusch an der Viehwegstraße nach Spitzkunnersdorf. Die Grenzregulierung des Gemeindebusches mit den Ratsforsten erfolgte am 28. November 1802 und 3. Mai 1803. Der Name des Folgebusches ist nicht zu erklären.

Diese Waldungen bestehen aus schwarzem und lebendigem Holze. Es befinden sich Kiefern, Fichten, Tannen, Buchen. Außerdem werden an den Ufern der Flüsse und Teiche, an Straßen und Wegen, an Grenzen und vor den Häusern Eichen, Linden, Ebereschen, Aspen, Birken, Weiden, Pappeln, Akazien, auch Lerchenbäume gepflanzt, und man findet unter ihnen Bäume von bedeutender Höhe und Stärke. Manche Bäume haben vielleicht schon Jahrhunderte lang als natürliche Blitzableiter die Wohnungen beschützt. Über die Holzkultur, den Garten –und Obstbau, den Anbau der gesammten Erzeugnisse des Feldes an Weizen, Korn, Gerste, Hafer, Erbsen, Wicken, Flachs, Kartoffeln, Futterkräutern u. f. m. wird das nötige unter der Rubrik: Nahrungszweige gesagt werden und über die wildwachsenden Pflanzen kann dem Botaniker M.Dettel´s Verzeichnis der in der Oberlausitz wildwachsenden Pflanzen, Görlitz 1799, einige Auskunft geben.

Das Dorfgebiet beherbergt aber auch eine Menge zahmer und in Freiheit lebender Tiere. Von der Zucht der zahmen Tiere an Pferden, Rindvieh und anderen Haustieren wird an gehörigem Orte gesprochen werden. Jagdbare Tiere sind Rehe, Hasen, Füchse, Dachse, von Vögeln: wilde Enten, Birkhühner, Rebhühner, zuweilen auch Störche, die aber hier nicht nisten, und sehr selten Adler. In den Jahren 1681 und 1797 wurden in Großschönau zwei Adler von ausgezeichneter Größe geschossen. Der im Jahr 1681 geschossene Adler hatte eine Länge von 7 Vierteln und eine Breite von 4 Ellen; er wog 7 Pfund. Den 1797 geschossenen Steinadler hat man auf der Zittauer Ratsbibliothek ausgestopft aufbewahrt.

Die Gewässer sind nicht Fischreich. Eine Hauptursache davon ist, dass in Grund und Warnsdorf, auch in Großschönau sehr häufig das Farbewasser in den Fluss gegossen wird. Die Lausur, das Waltersdorfer Wasser und das Pochewasser liefern wohlschmeckende Forellen und in der Lausur wurden noch vor 20 bis 30 Jahren Aalen gefangen.Das Teichrevier kann nach einer alten Angabe mit 82 Schock Karpfen besetzt werden. Krebse werden immer seltener. Von Amphibien, Würmern und Insekten des Dorfgebietes gibt es noch keine Verzeichnisse. Ein kleines aber ausgesuchtes Kabinett inländischer Mineralien hatte der Mustermaler R.G.Olbrich gesammelt. Nach dessen Tode wurde es nach Herrnhut verkauft.

Klima und Witterung

Ungeachtet der hohen Gebirgslage ist das Klima mehr gemäßigt als rau. Die Luft ist rein und gesund. Die Witterung hat im Allgemeinen einen unbestimmten Charakter, besonders im Winter, wo Frost und Tauwetter oft wechseln. Daher sind strenge Winter, wie von 1812 und 1813 und von 1829 und 1830 seltenweit. Der Winter tritt hier gewöhnlich später ein und der Schnee schmilzt eher als in den benachbarten Waltersdorf und Jonsdorf, dagegen ist das Frühjahr oft mit anhaltenden Regen heimgesucht, welcher die Vegetation verspätet. Nass und kalte Sommer wie zum Beispiel in den Jahren 1771, 1801 bis 1805, 1815, 1822, 1833 sind zu den Ausnahmen zu zählen. Sturmwinde von großer und zerstörender Heftigkeit findet man angemerkt in den Jahre 1715 im Februar, 1720 im Januar, 1803 am 12. September. Auch der Winter von 1833 bis 1834 war von heftigen Stürmen begleitet, welche besonders in der Nacht vom 18. zum 19. Dezember 1833 in den Büschen großen Schaden verursachten. Ein noch nicht völlig eingebautes Haus auf dem oberen Vieweg wurde niedergerissen. Von Schloßenwettern sind die Gemeinde Groß- und Neuschönau mehrmals heimgesucht worden. Zum Beispiel am 9. Juli 1751, 24 Juni 1759, 18. Juni 1773, 4. Dezember 1779, 14 und 15. Mai 1789, 3. September 1802, 16. und 30. Mai 1807 und besonders am 15. Juni und 20 Juli 1812. Zu den seltensten Erscheinungen, Nebensonnen und Nebenmonde abgerechnet gehören auch die Nordlichter. Eins dergleichen wurde am 9. Oktober 1741 beobachtet, welches die Einwohner in große Furcht setzte. Auch die plötzliche Erleuchtung des Horizonts am 15 November 1812 Abends in der siebenten Stunde, welche beinahe in ganz Europa gesehen wurde, ist noch in Andenken, da sie die Kirchweihfestfreuden unterbrach.

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Von Großschönau nach Neuschönau am 05.07.2014

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