Direkt zum Inhalt

Öffentliche und andere bemerkenswerte Gebäude

Öffentliche und andere bemerkenswerte Gebäude

Unter den einzelnen Gebäuden sind folgende wegen ihrer Bestimmung bemerkenswert:

a) die Kirche.

Wenn die Sage gegründet ist, dass die Großschönauer Kirche anfänglich auf dem linken Ufer der Mandau unter dem Hutberge gestanden hat; so ist das jetzige Gotteshaus bereits das dritte, denn dieses wurde auf derselben Stelle, wo das vorhergehende stand, erbaut. Von ältesten Kirche wissen wir nur, dass sie bereits im J. 1384 vorhanden war; ihre Gründung ist aber vielleicht schon in die zwiete Hälfte des 13ten Jahrhunders zu setzen. Eben so wenig haben sich von der Gründung, der Gestalt und den Schicksalen der zweiten Kirche Nachrichten erhalten. Die Gründung dieser Kirche auf ihrem jetzigen Platze fällt wahrscheinlich noch in das 15te oder spätestens in den Anfang des 16ten Jahrhunderts. Über ihre Gestalt, Größe und Bauart kann nichts gesagt werden; eine im J. 1654 vorgenommene Reparatur der Kirche ließe sich wenigstens vermuten, da in jedem Jahre der Turmkopf neu vergoldet wurde. An diese Kirche erinnern noch folgende altertümliche Gegenstände:

zwei Standbilder der König David mit der Harfe und Salomo, welche sonst gewöhnlich beim Beichtstuhl aufgestellt waren.


ein Standbild des Moses mit den Gesetztafeln, wahrscheinlich schon in der alten Kirche, wie in der jetzigen, die Stütze der Kanzel, ein Werk der Holzschneidekunst nicht ohne Wert. Der ebenfalls nicht fehlende hörnerartige Hauptschmuck, mit welchem Moses nach einer missverstanden Bibelstelle, 2 Mos. 34, 29 sonst gebildet wurde, dürfte für ein hohes Alter sprechen. Der Name des Künstlers ist nicht zu entdecken gewesen.

Ein Taufstein von feinem Sandstein, fünfeckig. An dem obern Außenrande sind die lateinischen Worte aus Galat. 3,27 ausgehauen: Quicunque in Christo baptizati estis: Christum induistis. Ein angebrachtes Steinmetzzeichen, sowie die Jahrzahl 1570 vielleicht den Namen des Künstlers ermitteln. Dieser Taufstein war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts im Gebrauche.

die kleine Glocke, wahrscheinlich noch aus der Zeit der ersten Kirche. Sie enthält oben am Rande eine Mönchschrift, die aber wegen Unzugänglichkeit nicht zu lesen war. Doch ist der Name Maria deutlich zu erkennen. Vor dem J. 1752 war sie an Ton und Schwerte die mittelste Glocke.

ein silberner vergoldeter Abendmahlskelch, welcher noch im Gebrauche ist. Die Jahrzahl 1519 bezeichnet die Zeit der Schenkung und dass Wappenschildchen mit zwei kreuzweise übereinander liegenden Schlüsseln den Geber. Dieses Wappenschildchen nämlich, welches die grundlose Sage veranlasst hat, dass diesen Kelch ein alter Herr Großschönau`s vom Papste empfangen habe oder vom Papste habe weihen lassen, ist das Uechtritzische Wappen und der Geber kann daher Niemand anders sein, als die Familie von Uechtritz, oder der damalige Besitzer von Großschönau Anton von Uechritz für seine eigene Person. Die Buchstabenverwechslung IRNI statt INRI würde noch befremdender sein, wenn man bei einem päpstlichen Geschenk an einen römischen Künstler zu denken veranlasst wäre. Die Schicksale dieses merkwürdigen Kelches im 30jährigen Kriege sind nicht zweifelsfrei, da sie auf unverbürgten Sagen beruhen.

mehrere alte Grucifixe, so wie Grabdenkmäler, von welchen letzteren an gehörigem Orte das Nötige bemerkt werden soll.

Diese alte Kirche aus einer Zeit stammend, wo Großschönau noch ein kleines Dorf war, musste endlich bei mehr und mehr zunehmender Bevölkerung, wenn anders mit einem bedürftigen Anbau nicht gedient sein konnte, einen neuen Kirchenbau zum dringenden Bedürfnisse machen. Ein vielleicht längst gehegter Wunsch ging in den J 1703 bis 1705 in Erfüllung. Welche Umstände dabei obwalteten, ist nicht mehr bekannt. Darüber , ob die neue Kirche an die Stelle der alten, oder anders wohin , z.B. auf den Kraftberg, gebaut werden solle, scheint verschiedene Meinungen geherrscht zu haben; doch entschied man sich endlich für den alten Platz. Da die neue Kirche einen viel größeren Umfang haben sollte, so wurde der Grund um die alte Kirche herum gelegt, so dass diese bis zum völligen Ausbaue der neuen Kirche stehen bleiben und zum Gottesdienste benutzt werden konnte. Der Bau war mit Einschluss des Turms zu 63 Ellen Länge, 28 Ellen Breite und 18 Ellen Höhe bestimmt; die Mauern des Turmes aber sollten 9 Ellen Länge und Breite und 40 Ellen Höhe bis ans Dach erhalten. Der Flächenraqum der neuen Kirche ist also einschließlich der Mauern zu 3186 Ellen anzunehmen und der Umfang der Mauern mag ungefähr 196 Ellen Betragen. Der 24. August 1703 war der Tag der feierlichen Grundsteinlegung, wobei von Seiten des Zittauer Magistrats als Ortsherrschaft zugegen waren; der Stadtrichter Christian Maner, als Dorfverwalter, der Bürgermeister Johann Jakob von Hartig, der Oberstadtschreiber Johann Heinrich Leopold Schlene, der Unterstadtschreiber Karl Christian Juft und der Uctuar Johann Friedrich Gerber. In den Grundstein wurden Münzen und eine Kupferplatte mit den Namen der Vorgesetzten und folgender Inschrift gelegt:

In und mit Jesu,

dem Grundstein seiner Kirche

Esa. XXVIII,16.

ward dieser erste Stein zur

neuen Kirche gelegt

den 24. Augusti 1703.

Hilf, Jesu, dass allhier Dein Wort

dem Volke sei ein fruchtbar Thau !

So heist und bleibet dieser Ort

mit recht die große schöne Au.

Der Bau, welchen der Kirchevater Friedrich Göhle in Nr. 311 besonders sich angelegen sein ließ, ging nun ziemlich schnell von statten und am 15. Sept. 1705 war die Kirche so weit vollendet, dass der Zimmermeister Kühnel der 3 ½ Elle weiten und 5/4 Ellen hohen Knopf nebst Fahne und Stern aufsetzen konnte.

Die feierliche Einweihung der Kirche erfolgte am 18. Dezember. 1705. die Baukosten betrugen ohne Anschlag der geschenkten Naturalien, so wie der Fuhren und Handdienste 3247 Rthlr. 8 Gr. 10 1/5 Pf. und wurden von folgender Einnahme bestritten: 785 Rthlr. 10 Gr. 10 1/3 Pf. vom Kirchenvermögen, 189 Rthlr. 2 Gr. 5 1/3 Pf. Kassenbestand der Kirchenrechnung von 1701 bis 1704, 600 Rthlr. erborgtes Kapital vom Vermögen der Kleinschönauer Kirche, 825 Rthle. 13 Gr. 5 Pf. Erlös aus dem Verkauf der Stände in der neuen Kirche, 100 Rthlr. Beitrag des Zittauer Rates aus dem Vermögen der Zittauer, Kleinschönauer und Wittgendorfer Kirchen, des Gotteskastens zu Zittau und des Mattheus Möllerchen Gestifts; 24 Rthlr. Beitrag der Stadtgerichten zu Zittau von eingegangen Strafgeldern; 634 Rthlr. 23 Gr. 1 Pf. Betrag der Kollekten vor der Kirchtüre zu Großschönau vom 7. Sept.; 7. Okt., 18. Novbr., 26. Dezember. 1703, 2.Febr., 23. März, 12. Mai, 24. Juni, 4. Aug., 15. September., und 17 November. 1704; 38 Rthlr. 14 Gr. freiwillige Geschenke; 39 Rthlr. 7 Gr. 8 Pf. freiwilliger Beitrag für die Fenster und 30 Rthlr. Erlös für Abraum , Holzwerk u. dergl. aus der alten Kirche, Summa: 3276 Rthlr.11Gr.5Pf. Übrigens bewilligte der Zittauer Rath an Bauholz unentgeltlich 276 Stämme, wovon 90 Stämme aus den Großschönauer, 120 Stämme aus den Waltersdorfer, Jonsdorfer, Ebersbacher Forsten und dem Königsholze und 66 Stämme aus dem Großschönauer Kirchenbusche genommen wurden. Großschönau hatte nun eine für das damalige Bedürfnis übergroße, geräumige und freundliche, durch 37 (unten 11, in der Mitte 13 große und oben eben so viel kleine runde) Fenster erhellte Kirche mit einem geringen Kostenaufwand hergestellt, welcher nur möglich wurde durch die Wohlfeilheit der Baumaterialien und durch niedrige Arbeitslöhne und dadurch, dass man ganz einfach baute und allen baukünsterlichen Überfluss an Verzierungen und dergl. vermied, wozu noch kommt, dass man Vieles z.B. Glocken, Orgel, vielleicht auch Altar und Kanzel nicht erst anschaffen durfte und dass man für die folgenden Jahre Mancherlei zu bauen und zu verschönern übrig ließ.

Die Kirche hat drei Haupttüren auf der Mitternachts- Mittags- und an der Abendseite des Turmes. Auf der Mitternachtsseite befindet sich die Kirchhalle. Von diesen Haupttüren her sind die Frauenstände durch einen Kreuzgang in vier Abteilungen geteilt. Die drei übereinander angelegten Emporkirchen ruhen auf hölzernen Säulen und zu ihnen führen in der Kirche selbst auf der Mitternachtsseite vom Altar und über der Sakristei von außen durch zwei Nebentüren auf der Mitternachts- und Mittagsseite des Turmes hölzerne Wendeltreppen. Der Fußboden der Kirche ist teils mit Ziegeln, teils mit Sandsteinplatten belegt. Ob die vormalige hölzerne Decke gleich anfangs gemalt wurde, oder erst später, sagt keine Nachricht. Die Malerei war ohne künstlichen Wert. Über den mit Ziegeln gedeckten Turm erhebt sich eine durchsichtige in eine spitze auslaufende Haube, welche4 sich eine Blech bekleidet und grün angestrichen ist. Die Spitze ist mit Knopf, Fahne und Stern geziert. Die Höhe des Turmes bis zum Stern beträgt 80 Ellen.

Hauptreparaturen und Verschönerungen der Kirche sind im Laufe der Zeit folgende nötig geworden. Im J.1731 wurde der Turm repariert, am 19.August der Knopf abgenommen und neu vergoldet am 28. August wieder aufgesetzt. Die Vergoldung kostete 16 Rthlr. 23Gr. Im J. 1747 erhielt die Kirche eine neue Orgel; die alte hatte man 1746 nach Giegersdorf verkauft. Die neue Orgel baute Johann Gottlieb Tamitius aus Zittau. Sie hat zwei Manuale und ein Pedal, im Hauptwerke 12, im Oberwerke 11 und im Pedale 5 Register und außerdem noch einen Tremulant, einen Koppelzug und eine Kalkantenklingel. Die Baukosten wurden von freiwilligen Beiträgen bestritten und betrugen allein für das Ausmalen und Ausstaffieren 175 Rthle. Eingeweiht wurde die Orgel am 3. Dezbr. 1747. Hautreparaturen an der Orgel fanden 1808 und 1831 statt, letztere durch Chr. Gottlieb Engelmann, Orgelbauer aus Großschönau. 1747 wurde zu gleich auch das Orgel- und Gerichtchor gebaut, und die Zahl der Stände vermehrt. Sollte auch die Arabeskenmalerei an den beiden obersten Emporkirchen, wie sie bis 1825 zu fehlen war, aus früherer Zeit stammen Nachricht davon hat sich nicht erhalten; so kann die untere Emporkirche doch erst damals oder vielleicht noch später mit den in schwarzer Tuschmanier ausgeführten Darstellungen aus der biblischen Geschichte ausgeschmückt worden sein. Sie sind ein Werk des Mustermalers David Christian Berndts und zeichnen sich vor ähnlichen malerein vorteilhaft aus, wenn auch der Kunstwert selbst nicht hochzustellen sein dürfte. Da man sie im J. 1825 der Erhaltung würdig gefunden hat, so möge ein Verzeichnis der 38 biblischen Bilder auch hier ein Plätzchen finden. Es sind folgende: das Chaos, der schwebende Erdball, zum Teil mit Wolken umhüllt von der Sonne beschienen; Adam und Eva im Paradiese (1. Mos. 1.u 2.); Kains Brudermord ( 1. Mos. 4, 8.); die Sündflut (1.Mos. 7.); Noahs Opfer (1. Mos.8, 20.9,1-17.); Turmbau zu Babal ( 1.Mos.11,4.); Issaks Verheißung ( 1. Mos. 22.); V segnet seinen Sohn Jakob (1. Mos.27.); Jakobs Kampf mit Gott (1.Mos. 32. 24. ); Joseph und seine Brüder ( 1. Mos. 42.6.); Moses mit den Gesetztafeln kommt vom Berge Sinai (2 Mos. 32. 15.); das Innere der Stifthütte ( 2. Mos. 40-42.); Vertilgung der Rotte Korah (4 Mos. 16,31,-35.); Sisseras Tod durch Jael (B.d. Richt. 4,21.); Simons Kampf mit dem Löwen (B.d. Richt. 14, 5. 6.); David und der Riese Goliath (1. Sam. 17, 49.); Absaloms Tod ( 2. Sam. 18, 14.); Gesicht des Propheten Hesekiel (Hesek. 1.); Tobia Fischfang (Tob. 6, 1. ); Ferner aus dem neuen Testamente: die Weisen aus dem Morgenlande (Matth. 2,11.); Jesus getauft vom Johannes (Matth. 3,13.); Stillung des ungestümen Meeres ( Matth. 8, 23-27, Marc. 4, 36-41. Luc. 8, 22-25.); Jesus und das Cananaische Weib (Matth. 15, 21-28. Marc. 7, 24-30); Reinigung des Tempels (Matth. 21, 12. 13.); die Gleichnisse von der Rechnung des Königs (Matth. 18, 23-35.), vom reichen Manne Lazarus (Luc. 16,19-31.); vom barmherzigen Samariter (Luc. 10, 30-37.); von der königlichen Hochzeit (Matth. 22. 2-14.); Jesus speiset 4000 Mann (Marc. 8, 1-9); die Einsetzung des Abendmahls ( Matth. 26, 26-28. Marc. 14, 22-24. Luc. 22, 19. 20.); Jesus am Deleberge ( Matth. 28, 1-4, Luc. 22,39.); Christi Auferstehung (Matth. 28, 1-4); Jesus offenbart sich seinen Jüngern ( Joh. 20. 19-29.); Christi Himmelfahrt (Luc. 24, 50-52. Apostel Geschichten 1, 9. 10. ); die Ausgießung des heiligen Geistes (Apostel Geschichten 2, 1-13.); das Ende der Welt und das himmlische Jerusalem (Offenb. Joh. 21, 10. ).

Im J. 1770 wurde die Südseite des Kirchendaches umgedeckt. Die durch das Kirchfensterreparatur kostete 51 Rthlr. 7Gr. Das Altar, welches zwischen den im antiken Geschmack ausgeführten Säulen einen würdigen Anblick gewährt, erhielt 1778 eine Bretterverkleidung , deren vordere Seite mit einer Einsetzung des Abendmahles ausgemalt ist. Die Piedestals der Säulen tragen die Attribute der vier Evangelisten. Die Ausstaffierung des Altars und der Altarsäulen, wie sie noch jetzt zu sehen sind, erfolgte 1802 mit einem Kostenaufwand von 310 Rthlr., welche größtenteils durch freiwillige Beiträge zusammengebracht wurden. Die Kanzelverschönerung in demselben Jahre kostete 130 Rthlr. 1781 musste der Kirchturm repariert werden. Der am 21. Aug. abgenommene Knopf wurde am 29. Okt. Neu vergoldet nebst Fahne und Stern wieder aufgesetzt. Die sämtlichen Ausgaben dabei beliefen sich auf 521 Rthlr. 14 gr. 4 Pf. Auch 1802 erfolgte

eine Reparatur am Kirchturme. Die Turmuhr mit doppeltem Schlagwerke ist alt, eine Zeit der Anschaffung , so wie eine Hauptreparatur hat Betrf. nirgends angegeben gefunden. Anlangend die Glocken, so stammt, wie bereits oben erwähnt worden ist, die kleine , ehemals mittle Glocke noch aus alter Zeit. Die alte große Glocke zersprang 1693 und wurde

1694 vom Roth – und Glockengießer Martin Zorbe in Zittau für 65 Rthlr. 21Gr. 9Pf. umgegossen. Die alte kleine Glocke, 3 Zentner 101 Pfund schwer, wurde 1718 von Michael Weinhold in Dresden umgegossen. Die neue Glocke wog nur 3 Zentner. 3 Pfund und kostete mit Abgang von 55 Pfd. übrigen Metalls 16 Rthle. 8Gr. die große Glocke zersprang am Pfingsttage 1752. sie wurde am 1 August nebst der kleinen Glocke heruntergelassen und den 8. August nach Dresden gebracht, wo der Glockengießer Johann V Weinhold zwei neue Glocken goss, eine Große, schwere am Gewichte als die vorige, und eine mittle. Diese Glocken kamen am 14. Sept. aus Dresden zurück und wurden am 15 und 16. Sept. auf den Turm gezogen. Sie kosteten 918 Rthlr. 8Gr. ) 9 1/11Pf.

Die letzte Hauptreparatur an der Kirche erfolgte 1825 und folgende Jahre. Zuvorderst wurde der Dachstuhl durch Einziehung neuer Balken, Ansätze an die Sparren, durch eiserne Schrauben und Anker ausgebessert, ein neuer Sims auf der Mittagsseite der Kirche verfertigte, und die alte hölzerne Decke mit einer weißen Asbestdecke vertauscht. Die Turmhaube erhielt ganz neue Säulen und neuen Blechbeschlag. Knopf, Fahne und Stern, am 16. Sept. 1825 heruntergenommen, wurden gut vergoldet, ersterer durch den Gürtler Müchtig in Zittau, letztere durch den Maler Fährmann in Großschönau, am 28.Octbr. nachmittags 4 Uhr wieder aufgesetzt. Die Emporkirchen, so wie auch die Orgel und die Weiberstände wurden weis überstrichen und mit hellgrünen Einfassungen versehen. Die Bilder an der untern Emporkirche wurden mit vergoldeten Rahmen gehoben. Später ward Turm und Kirche auswendig geweißt und die Haupttüre unterem Turme vergrößert.

Wie die Unterstützung, welche diese Reparaturen und Verschönerungen – namentlich auch die letzte – bei vielen Kirchenfreunden im Orte fanden, so beurkunden auch die zum teil sehr wertvollen Geschenke, deren hier noch gedacht werden muss, einen, so weit die Nachrichten gehen, immer vorhanden gewesenen kirchlichen Sinn. Diesem Sinne verdankt die Kirche einen Beichtstuhl welchen die drei Brüder Friedrich, Michael und Johann Goldberg 1723 anschafften; eine Schlaguhr auf die Kanzel von dem genannten Friedrich Goldberg 1724, eine kleine stählerne Schlaguhr auf dem Chore von Balthasar Neumann und Martin Hänsch 1740, einen gläsernen Leuchter von Gottlieb Wenzeln, Richter in Neuschönau 1751, einen gläsernen jetzt über dem Orgelchore hängenden Kronleuchter von einem Ungenannten 1810; einen großen gläsernen Leuchter vor dem Altar von der erwachsenen männlichen Jungend am Konfessionsjubelfeste 1830; 30 blecherne Leuchter an den Emporkirchen von Frau Anna Dorothea Göhle, geb. Seidel 1753; ferner ein Taufzeug und Pult vor das Altar von Christina Jsrael am Weihnachtsfeste

1767; einen Tauftisch von dem Damastfaktor Hrn. Christian David Wäntig und eine zinnerne Taufschüssel von dem Gärtner Johann Gottfried Schiffner 1815. Das Altar erhielt 1724 zwei grüne Altartüchlein von Johann Christoph Langen, 1731 ein scharlachrotes goldbesetztes Altartuch von der Gemeinde, 1766 eine grüne Bekleidung nebst franzblauseidenen Altartüchlein und einer blauseidnen gezognen Serviette von Johann Christoph Häblern, 1767 das Grucifix auf dem Altar von David Schiffnern und dem Bäcker Gottf. Haulfers, 1768 eine silberne Kommunionkanne von Johann Friedrich Häblern, dem Vorwerkspächter, 1757 eine silberne Oblatenbüchse von den Georg Friedr. Richters, 1817 am Reformationsjubelfeste eine scharlachrote Bekleidung und ein weisseidnes Altartuch von der erwachsenen Jugend, 1826 drei grünseidne Servietten von Frau Maria Elisabeth Krumholz im Neuschönau, 1827 eine carmoisinrote Serviette von J.F. Strohbach und 1830 am Konfessionsjubelfeste vier große zinnerne Altarleuchter und zwei Paar Kerzen von den Jungfrauen. Die altenzinnern Leuchter auf dem Altar, eine carmoisinrote Serviette und ein silberne Weinlöffelchen wurden von Gottfried und Johann Gottfried Häblern geschenkt. Erster schenkte auch 1765 ein paar Altarkerzen. Ein paar perlfarberne un ein paar carmoisinrote Altartücher ließen 1767 Christian Jsrael und 1804 ein Unbekannter mit grünem Tuche belegen und polstern. Die Kanzel erhielt 1725 von Christoph Strohbach (Häusle in Nr. 322) ein rote , 1751 von Frau Anna Doroth. Göhle geb. Seidel ebenfalls eine rote und 1766 von J.Chph. Häbler eine grüne Bekleidung mit goldnen Tressen. 1767 schenkte Frau Rosina Goldberg geb. Mai eine blaue Kanzelbekleidung mit silbernen Tressen, und 1817 erhielt die Kanzel auch eine rote Bekleidung. .

Unter den übrigen Schenkungen mögen wohl manche in Vergessenheit gekommen sein. Bekannt wohl noch, dass 1729 Tobias Linke eine Bibel und J.Chph. Lange ein Grucifix, der Gerichtsälteste Friedrich Wenzel einen Taufengel und K. Friedrich Kraufe in Neuschönau einen rotsamten Klingelbeutel schenkten. Ein Krucifix bei Leichenpredigten auf die Särge zu legen, gaben 1766 am Pfingstfeste Joh. Michael Röslers Söhne F. Mich. Und F. Friedr. Rösler, J. Chph. Sperling und F. Chph. Goldberg.

Das merkwürdigste Geschenk und ihre wertvollste Zierde erhielt aber die Kirche in dem vortrefflichen Altargemälde von dem Direktor der Akademie der bildenden Künste zu Dresden, Professor Johann Elias Schenau. Der Künstler verehrte dasselbe der Kirche seines Geburtsortes 1786. es ist eine Vorstellung der Auferstehung Christi. Die Beilage zu der gelungenen Nachbildung in kupferstich von Stölzel gibt folgende Erklärung: „Jesus, im Gefühl der wiedererwachenden Lebenskraft, ist auferstanden und schwebt, durch innere Gotteskraft, mit dankbaren Blicke zu seinem Vater errichtet, unbemerkend die Freude seiner tausend Engel und das Entsetzen der Bestürzten Menschen, der Glorie des offnen Himmels entgegen.

Mit stiller Bewunderung, und voll von Anbetung und Liebe, umgeben die enngel den Erstandenen. Die Wach ist vor Schrecken über einander hingestürzt, der einzige Hauptmann entflieht mit Entsetzen. Adam und Eva, die ersten Gründer, schweben dem Erlöser mit dankbarem Entzücken entgegen, und in höheren Sphären erwarten ihn triumphierend die Seligen der verflossenen Zeiten. Eine feierliche Stille, der Tagesanbruch eines glorreichen Morgens, umgibt die große Begebenheit. Eine andere Schilderung drückt sich ungefähr so aus: „ Ein Chor von Engeln, weichen das Geheimnis der Erlösung noch nicht ganz enthüllt ist, versammelt sich um das Grab des Mittlers, Jesus Christus steht auf, betritt den Lichtweg und schwingt sich langsam durch eigne Kraft zur Rechten Gottes des Vaters. Auf einer Wolke nahe am Grabeshügel erwarten ihn anbetend Adam und Eva; in höherer Entfernung sind in ätherischem Glanze die Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, Gesetzgeber und Propheten in jubelnder Freude. Der Engel Gabriel sitzt im stillen Bewußtsein des ganzen zukünftigen Glückes der Menschen geruhig auf des Grabes Steine und harret weiterer Aufträge. Der Hauptmann, welcher Jesum schon am Kreuz den Sohn Gottes nannte, überzeugt sich jetzt ganz, dass der Auferstandene entweder Jupiter oder Jehova sein müsse, und eilt in den Rath der Juden, diese wichtige Begebenheit zu verkündigen. Die übrige Wache ist zu Boden gestürzt voll Furcht und Zagen. Den Felsen beleuchtet rötlich die aufgehende Sonne, und die ganze Szene ein Schimmer der Herrlichkeit Gottes.“

Dieses auf der Kunstausstellung zu Dresden 1786 viel bewunderte aber auch viel getadelte Gemälde ist in der von den Altarsäulen gebildeten Nische über der Sacristeitüre angebracht und gibt in der Mitte der Umgebung des Altars einen würdigen, erhebenden Anblick; nur dürfte es der Beleuchtung nicht günstig sein, dass die vorstehenden Altarsäulen das ihm nötige Licht benehmen. Das Gemälde war am 4. Sonnt. n. Trinit. den 1. Juli 1787 zum erstenmal aufgestellt zu sehen. Die Vergoldung des Rahmens, welche Karl Friedrich Weber, Mustermaler ausführte kostete 49 Rthlr., und für eine angemessene Ausstattung der Umgebung wurde dadurch gesorgt, dass in demselben Jahre die drei Geschwister Johann Friedrich und Joh. Gottlob Goldberg und Frau Johanne Häbler geb. Goldberg die Sonne über dem Altar für 80 Rthlr. und Frau Anna Elisab. Wäntig, geb. Wenzel das Gitter auf dem Altar hinter dem Grucifix erneuern und vergolden ließen.

Am Konfessionsjubeläum 1830 schenkten Hr. Christian Dav. Wäntig und Söhne der Kirche einen Blitzableiter.

Gegen diesen Gewinn sind die Verluste, welche die Kirche betroffen haben, unbedeutend zu nennen. Nur von drei Beraubungen hat sich Nachricht erhalten. 1746 wurde die zinnerne Kommunionkanne aus dem Gewölbe der Pfarrwohnung entwendet, und am 17. Oktbr. 1775 Nachts schnitt ein Dieb die silbernen Tressen von der blauen Kanzelbekleidung ab. In demselben Jahre wurde auch die rote Kanzel – und Altarbekleidung gestohlen.

Da der Platz der ersten Kirche unbekannt ist, so lässt sich auch der erste Kirchhof nicht mehr nachweisen. Der jetzige Kirchhof war ursprünglich kleiner und der Raum desselben wurde beim Baue der neuen Kirche noch mehr verengt. Die jährlich größer werdende Zahl der Sterbefälle, welche besonders im Hungerjahre 1772 hoch stieg, veranlasste die Erweiterung des Kirchhofes. Die Gemeinde kaufte deshalb am 29. Mai 1772 vom Richter Joh. Glob. Göhle aus dem Kretschamgute ein Stück Land für 150 Rthlr. und ließ um dieses Stück eine 150 Ellen lange, 6/4 tiefe, 4 Ellen hohe und 6/4 dicke Mauer durch den Mauermeister Efr. Hamann aus Waltersdorf für 92 Rthlr. 10 Gr. bauen. Der Kirchhof hat vier Eingänge, einen vom Kretschamhofe, einen gegen Mittag neben dem Bahrhäuschen, einen gegen das Oberdorf, welcher nebst der Mauer bis an die Pfarrwohnung und den Stufen 1771 erbaut wurde, und den Haupteingang gegen Mitternacht. Letztern, so wie die Stufen von Sandsteinplatten und die beiden Mauern vom Eingange bis zur Kirchtüre baute man 1769 mit einem Kostenaufwand von 200 Rthlr. Auch im J. 1733 war ein neues Kirchenhoftor gebaut worden (welches?) die Vergrößerung des Kirchhofes konnte aber nur auf eine kurze Zeit aushelfen. Das Bedürfnis einer abermaligen Erweiterung oder Anlegung eines neuen Kirchhofes wurde von Jahr zu Jahr dringender, bis endlich die Gemeinde im J. 1818 mit der Kircheninspektion zu Zittau wegen des Ankaufes eines zu einem Kirchhofe geeigneten Platz auf der Wiedemuth in Unterhandlungen trat, vermöge welcher ein an den Pfarrgarten grenzender Ackerfleck der Gemeinde für 200 Rthlr. überlassen und zugleich bestimmt wurde, dass diese 200 Rthle. zum Kirchenvermögen genommen und an den Pfarrer als Entschädigung jährlich verzinst werden sollten. Der Rat zu Zittau genehmigte unterm 4. März 1819 diese Vorschläge, und so wurde im J. 1820 der bestimmte Platz zu einem Kichhof eingerichtet, in vier Felder für Männer und Frauen, Knaben und Mädchen abgeteilt, mit Holzanpflanzungen zu einem lebendigen Zaune umgeben und vorläufig mit hölzerner Umzäunung vershen, welche lt. Rechnung 244 Rthlr. 2Gr. 1Pf. kostete. Der neue 9. Juni 1822 in Gegenwart des Ortsinspektors Hrn. Senat. Kühn durch den Pfarrer eingeweiht. Die erste Leiche, welche den 10 Juni hier begraben wurde, war Eckardts Kind. Zu einer bequemeren Verbindung der beiden Kirchhöfe wurde das hintere Kirchhoftor an der Morgenseite des Bahrhäuschens auf die Abendseite desselben verlegt. Da man eine regelmäßigere Benutzung des alten Kirchhofes beabsichtigte, wodurch auch Raumersparnis zu hoffen stand, so wurde der alte Gottesacker im J. 1830 eingeebnet und neu besät. Unter den Grabmälern gibt es einige bemerkenswerte Arbeiten vom Bildhauer Gareis in Ostritz und von K. Glieb. Häblern in Großschönau. Endlich ist noch zu erwähnen, dass im J. 1835 die zu dem obern Kirchhoftore führenden Stufen von Sandsteinen neu angelegt wurden.

b) die Pfarrwohnung

nur wenige Schritte von der Kirche abendwärts steht die Pfarrwohnung, ein altes, aber geräumiges Gebäude mit massiven Erdgeschoß. Dass obere Stockwerk ist von Holz ausgeführt und das Dach mit Stroh gedeckt. Eine Zeit der Erbauung kann nicht angegeben werden. Die Sage weiß von einem hier gestandenen Schlosse oder einer zum obern Vorwerk gehörenden Herrenwohnung, wovon das Erdgeschoß der Pfarrwohnung noch ein Überrest sein soll. Bauart und Einrichtung sprechen allerdings für ein hohes Alter, geben aber ohne andere Zeugnisse noch keinen Beweis, dass hier ein Schloß gestanden habe. Die Pfarrwohnung wird, was kleinere Reparaturen anlangt, vom Kirchvermögen, übrigens von der Gemeinde in baulichen Wesen erhalten. Eine Hauptreparatur erfolgte 1766 vom 16. Juli bis zu 19. September. Unter anderem wurde ein Gewölbter Stall gebaut. Meister Eckmann aus Zittau und Gohlich aus Waltersdorf waren die Baumeister Übrigens ist aus alter Zeit bekannt, dass die Gemeinde 1527 eine neue Pfarrscheune baute. Im J. 1745 wurde ebenfalls eine neue Pfarrscheune gebaut.

Die Wiedemuth des Pfarres, welche mittagwärts zwischen dem obern Viehweg und dem Buchberge liegt, enthält nach dem Flurregister von 1835 24 Schfl. Acker und 25 Schfl. Wiese. Der Kirchenbusch, woraus der Pfarrer sonst sein Brennholz erhielt, ist zu 20 Scheffeln angegeben. Durch Anlegung eines neuen Kirchhofes und den Bau der Viehwegstraße ist der Flächeninhalt der Wiedemuth um einige Scheffel geringert worden. In alten Zeiten muß dem Pfarrer auch ein Teil der Gemeindeaue zur Benutzung angewiesen worden sein. Der Begünstigung, welche Hans Neumann 1570 erteilt wurde, ein Haus auf des Pfarrers dorf frieden zu haben , ist bereits früher gedacht worden. Die Pfarrwohnung ist jetzt bei der Brandversicherungsgesellschaft mit 16 Wurzeln versichert.

c) die obere Schulwohnung

Mitternachtswärts der Kirche gegenüber durch die Straße vom Kirchhofe getrennt, auf der nördlichen Spitze des Schulberges liegt die obere Schulwohnung. Auch sie ist ein altes Gebäude, von dessen Erbauung keine Kunde sich erhalten hat. Ein Neubau dieses Schulhauses ist schon längst besprochen worden. Die Verhandlungen darüber vor einer Ratsdeputation am 30. Jan. 1765 blieben ohne beabsichtigten Erfolg, wahrscheinlich weil damals Bauer, Gärtner und Häusler wegen Beitragspflichtigkeit zu ´gemeinschaftlichen Ausgaben noch im Streite begriffen waren, und es ist nur zu vermuten, dass zu Vergrößerung der Schulwohnung auf der Mitternachtsseite damals der Erker angebaut wurde. Eine Baurechnung darüber hat sich nicht aufgefunden. 1769 wurde für 32 Rthlr.13Gr. ein neuer Türstock verfertigt. Die Baukosten für die neue Schulstube und sonstige Reparaturen im J. 1817 betrugen 447 Rthlr.7Gr.11Pf. und ein am 22. Aug. 1820 beinahe ausgebrochener Brand veranlasste die Reparatur der Wohnstube, welche bei dieses Gelegenheit vergrößert wurde. Die Baukosten dafür beliefen sich auf 146 Rthlr.16Gr.10Pf. Die Schulscheune stand sonst im Schulgarten am Wege dem Haus unter Nr. 143 gegenüber. 1741 wurde sie neugebaut und zwar auf ihrer jetzigen Stelle, der Schulwohnung gegen Abend, wenn dieser Bau nicht in spätere Zeit fällt. Der am westlichen Abhange in der Gartenmauer befindliche Schulbrunnen ist 1756 neu gebaut worden. Zu einem nächsten ausführlichen Neubau der obern Schulwohnung sind bereits Vorkehrungen getroffen.

Außer einem Grafgarten und der Grasnutzung auf den Kirchhöfen gehören zur Schule ¾ Schfl. Acker am Niederviehwege schon seit 1576. die Schulwiese wurde lt. Verordnung vom 10. Aug. 1806 gegen eine jährliche zu verabreichende Entschädigung von 1 Rthlr.12 Gr. eingezogen und mit Holz bepflanzt.

d) die untere Schulwohnung

Das zweite Schulhaus, unter Nr. 106 katastrirt liegt am rechten Ufer der Lausur bei der Mündung derselben in die Mandau, und war ursprünglich ein schon im 17 Jahrhundert auf der Gemeindeaue gebautes Privathaus. 1701 besaß es Friedrich Pöpel, seit d. 20 Sept. 1728 Joh. Chph. Goldberg geb. Mai. Dem wohltätigen Sinne dieser Frau verdankt die Gemeinde ihr zweites Schulhaus. Sie hatte bereits in einer testamentlichen Urkunde vom 20.Dezbr. 1776 ihr Haus zu einem Schulhause bestimmt, welches nach ihrem Tode der Gemeinde übergeben werden sollte; sie änderte aber noch bei ihren Lebzeiten diese Willenerklärung dahin, das sie unterem 8. Juni 1778 ihr Haus der Gemeinde förmlich zu einem Schulhause schenkte und überließ noch ein Kapital von 100 Talern überließ, damit von deren Zinsen die Kosten für künftig vorfallende Reparaturen bestritten werden könnten.

Der Zittauer Rat genehmigte die Schenkung und verordnete unterem 9. November 1778 die Befreiung des Hauses vom Erbzins- und Botengelde, so wie von Hofediensten und Gemeindeabgaben und dass Gerichten und Gemeindeältesten dasselbe nach dem letzten Kaufwerte sich verreichen lassen sollten Die Tradition des Hauses und Konfirmation der Schenkungsurkunde erfolgte am 21. Juni 1779. Mochte auch dies Schenkung eine verschiedene Beurteilung finden, je nachdem der Umstand, dass der damalige Unterschulmeister Menzel ein eignes Haus besaß, die Meinung von der Entbehrlichkeit eines zweiten Schulhauses begünstigte und viele in diesem Geschenke eine Last erblickten, welche der Folge, als der Bau eines zweiten Schulhauses bei zeitgemäßen Verbesserungen des Schulwesens unabweisbar hätte sein müssen, die Wohltätigkeit diese Schenkung mehr als einmal. Da das Gebäude baufällig war, dass es der Schulmeister Menzel gar nicht beziehen wollte und erst durch obrigkeitliche Anordnung dazu bewogen werden konnte, so dachte man schon damals an eine künftig nötig werdende Hausreparatur und sammelte zu diesem Behufe, indem man die Ausgaben für Reparaturen so viel wie möglich sparte, die eingehenden Zinsen des Kapitals, welche 1791 im Betrag von 40 Rthlr. wieder zinsbar angelegt wurden. Auf diese Weise wurde es möglich, im J. 1801 den Bau der Schulstube, welche zugleich als Wohnstube dienen musste, ohne Zutun der Gemeinde und ohne den Hauptstamm des Kapitals anzugreifen, mit einem Kostenaufwand von 98 Rthlr. 4Gr. auszuführen. Nun war allerdings das Notwendigste geschehen, allein diese und alle folgenden Reparaturen, besonders die im Jahre 1815 erfolgte Einrichtung einer obern Kammer zur Wohnstube, konnten bei der üblen Beschaffenheit , welche z.B. in Rücksicht der Beheizung gefahrdrohend war, nicht ausreichend, dieses Gebäudes in einen Schulzwecken entsprechenden Zustand zu versetzen. Bei der von Jahr zu Jahr größer werdenden Baufälligkeit kam bereits im J. 1821 eine Vergrößerung des Schulhauses durch Anbau zweier Sparren in Vorschlag. Da man aber erwog, dass eine Reparatur sehr kostspielig und immer nur eine halbe Maßregel sein würde, so entschieden sich entlich die Gemeinden bei einem allgemeinen Eingebote am 30. März 1824 für einen Neubau, welcher aber erst nach Beendigung der zu gleichen Zeit beantragten und dringlichen befundenen Reparatur an der Kirche in Ausführung kommen sollte. So vergrößerte sich der Schulbau bis zum J. 1826. Nachdem man bei einer Hauptbesichtigung des Hauses durch erkannt hatte, erfolgte auf die am 19. April 1826 deshalb stattgaben Verhandlungen unterm 18. Mai die obrigkeitliche Anordnung zu Erbauung eines neuen massiv auszuführenden Schulhauses. Diese Anordnung fand in der Folge wegen des Kostenpunktes und anderer wohl zu berücksichtigenden Umstände Abänderung. Wegen des Bauplatzes verringerte man sich dahin, dass neue Gebäude nicht an die Stelle des alten Hauses, welches zum Teil ganz nahe hinter das Haus Nr. 107 gebaut war, sondern weiter hinten im Strafgarten mit der Fronte grade gegen Mittag ausgeführt werden sollte. Da die tiefe Lage des Gartens eine bedeutende Grunderhöhung nötig machte, diese Grunderhöhung aber neben der Ausfüllung des Garten einen nicht geringen Mehraufwand voraussetzten ließ, da man ferner glaubte, dass einem steinernen Gebäude so nahe am Wasser die nötige Trockenheit fehlen müsse, da auch bereits das Zimmerholz bearbeitet fertig lag und die ganze Einrichtung zu einem hölzernen Gebäude getroffen war, so erteilte der Zittauer Rat auf die deshalb unterm 12. Juni erstatteten Vorstellungen unter Berücksichtigung dieser und anderer Gründe bei der Lokalerörterung am 20. Juni die Erlaubnis: dass Schulhaus mit zwei hölzernen Stuben, gewölbten Gage, Küche, Gewölbe und Stallung, auch steinernen Zwischenwänden, das mittle Stockwerk mit Lehm ausgesteckt zu erbauen und das Haus mit einem Ziegeldach zu versehen. Übrigens wurde der Bau dem Mauermeister Joh. Georg Clemens aus Seifhennersdorf und dem Zimmermeister Kraufe aus Großschönau unter Beaufsichtigung des in dieser Angelegenheit sehr tätigen und umsichtigen Gemeindeältesten Joh. Gottfried Wenzel übertragen und der von ersterem gefertigte Riss zum Grunde gelegt. Unterdes hatte der Unterschulmeister am 9. Juni das von der Gemeinde gemietete Interims-Schul-und wohnungslokal,dass Joh. Glob. Hälschken gehörige Haus Nr. 72b bezogen. Das neue Schulgebäude sollte 33 ½ Elle lang und 15 Ellen breit werden und der Grund zu 4 Ellen Tiefe und 1 ½ Elle Breite wurde am 26. Juni 1826 abgesteckt. Am 18. August d.J. war der Bau so weit vorrangeschritten, dass das Gebäude unter den üblichen Gebräuchen gehoben werden konnte. Der innere Ausbau erfolgte aber erst im J. 1827 unter Leitung des Bauergemeindeältesten Joh. Gfr. Goldberg, und war im September weit genug vollendet, um den 21. September, einen Freitag zum Tage der Einweihung zu bestimmen. An diesem Tage versammelten sich die Schulkinder in dem Interimsschullokale und wurden von ihrem Schulmeister zu einer Betstunde in die Kirche geführt, wo auch der Ortsinspektor Hr. Senator Kühn und die Gemeindevorsteher gegenwärtig waren. Nach Endigung der Betstunde begab sich der Zug unter Begleitung der Musiker, welche mit Posaunen anstimmten, in das neue von außen und innen mit Blumen verzierte Schulhaus. Hier hielt nun der Ortspfarrer vor einer zahlreichen Versammlung die Einweihungsrede, worauf der Ortsinspektor das Haus den Gemeindevorsteher ihrer ferner Aufsichtführung übergab und zuletzt der Schulmeister seiner Dankrede Worte der Ermunterung zu Fortsetzung des Schulwerkes in Jesu Namen anknüpfte. Das unter Begleitung der Posaunen abgesungene Lied: Nun danket alle Gott u. beschloss die Feierlichkeit. Am 22. September. wurde zum erstenmal Schule gehalten.

Die am 31. August 1827 durch den Baudirektor unter Zuziehung der Gewerken zu Zittau erfolgte Besichtigung des Schulhauses ergab mehrere Unangemessenheiten und Abweichungen gegen den Riss. Obgleich nun der Magistrat bei einem am 26. Sept. und in einer nochmaligen Anordnung unterm 29. November 1827 bestimmte, den zu Grunde gelegten Riss gebührend in Vollziehung zu setzen, so ist hier zur Zeit noch manches unerledigt geblieben, und es ist hier noch zu merken, dass im J. 1828 eine Grenzausgleichung mit dem Nachbar Joh. Glieb Strobach eine Mauer gezogen wurde, dass im J. 1829 die Mauer an der Lausur gebaut, so wie ein Fahrweg um den Garten angelegt, ferner der Zaun um den Küchengarten besorgt, der Eingang gepflastert und ein Brunnen im Hofe angelegt wurde, dass im J. 1830 die Fenster der Wohn- und Schulstube äußere Laden erhielten, der Boden des Grafgartens eingeebnet und besät, der Grafgarten mit einem Bretterzaune umgeben und der Grenzzaun gegen Strobachs, so wie die Holzremise erbaut wurde, dass im J. 1832 die Anlegung des Grenzzaunes gegen Marschners Haus Nr. 107 erfolgte und dass im J. 1835 die Verschlagung der obern Seite mit Brettern und die Anlegung einer blechernen Dachrinne in Ausführung kam.

Die sämtlichen auf diesen Bau gewendeten Kosten betrugen lt. Rechnung 3592 Rthlr. 9 Gr. 4Pf. also beträchtlich mehr als die nur zu 2001 Rthlr. 20Gr. angesetzten Bauanschläge, wobei aber bemerkt werden muss, das die Bauanschläge nur die eigentlichen Baukosten für das Haus, wenn sie auch mehr betrugen, als die Anschläge besagen, aber nicht alle übrigen auflaufenden Unkosten und die Baukosten für die Umgebungen des Hauses berechnen konnten. Diese Baukosten wurden bestritten von dem geschenkten Schulkapitale an 100 Rthlr. von den 126 Rthlr. betragenden Kaufgeldern für das alte Haus, von den aus dem Abraume gelösten 83 Rthlr. 4 Gr. 6 Pf. und den aufgebrachten Schulbausteuern im Betrage: 2962 Rthlr. und 6 Pf. von Großschönau und 321 Rthlr. 4Gr. 4Pf. von Neuschönau. Um das Aufbringen dieses Bedürfnisses zu erleichtern, bewilligten einige vermögende Einwohner Darlehne von 100 und 50 Rthlr. unzinsbar.

Als eigentliche zur untern Schule gehörende Wiedemuth ist eine 2 Scheffel Land betragende Wiese zwischen den Kretschamfeldern und dem obern Viehweg z betrachten. Übrigens gehört zum Unterschulhause eine Dominialacker – und Wiesen- Parzelle. Eine kleine Wiese, welche ebenfalls herrschaftlich ist und bei Neuschönau an der Lausur liegt, hat der derzeitige Unterschulmeister als Gerichtsschreiber von Großschönau zu beutzen. Übrigens ist das Unterschulhaus bei der Oberlauf. Brandversicherungsanstalt mit 6 Wurzeln versichert.

e) das Gemeindehaus

das jetzige Gemeindehaus befindet sich auf dem obern Viehweg zwischen den Häusern unter Nr. 123 und 125 und ist unter Nr. 124 katastriert. Von der ersten Anlegung eines Gemeindehauses zu Großschönau ist nichts bekannt, doch ist sie gewiss schon im 16ten Jahrhundert erfolgt. Da das von jeher vom Totengräber bewohnt worden ist, so heißt es gewöhnlich auch das Totenhaus. Das erste Totenhaus stand unter dem Hutberge bereits im J. 1612 (vergl. Anmerk.79) und war das jetzt unter Nr. 324 Katastrierte Haus. Gerichten und Gemeindeältesten verkauften dasselbe für 80 Rthlr. am 14. März 1712 an den Totengräber FRIEDRICH Hofmann: damals oder in den folgenden Jahren, vielleicht bis 1719, muß das jetzige Gemeindehaus erbaut worden sein. Nachrichten und Baurechnungen darüber fehlen. Die letzte Hautreparatur wurde 1816 vorgenommen. In dem Gemeindehause wohnen auch die , welche sonst kein Unterkommen haben, unter Aufsicht des Totengräbers.

f) das Spritzenhaus

diese zur Aufbewahrung der niedern Gemeindefeuerspritze bestimmte Haus auf dem Gehöfte des Bauergutes unter Nr. 18 und wurde im J. 1802 erbaut. Die übrigen Feuerspritzen haben keine besondern Häuser, sondern stehen bei Privaten.

g) das Bahrenhaus

Es steht am mittäglichen Kirchhoftore. Von Erbauung desselben hat sich keine Nachricht aufgefunden.

Hier werden die Leichengerätschaften aufbewahrt.

Außer diesen öffentlichen Gebäuden verdienen noch einer besonderen Erwähnung:

h) der Kretscham zu Großschönau

der Kretscham oder das Gericht, wo alle dorfgerichtlichen Verhandlungen stattfinden, liegt auf der östlichen Spitze des Schulberges zwischen der Kirche und der obern Mühle, und ist in seiner jetzigen Gestalt lt. Einer am Hauptgebäude befindlichen Inschrift vom Richter Christoph Göhle II im J. 1683 neu aufgebaut worden. Von den früheren Schicksalen ist bekannt des Kretschams ist bekannt, dass derselbe im J. 1530 von Hans Güteln aus Bosheit angezündet wurde. Wahrscheinlich hat der Kretscham von seiner ersten Erbauung an immer hier gestanden. Denn wenn eine Sage den ehemaligen Kretscham an die Stelle des jetzigen Hauses Nr. 105 versetzt, so mag vielleicht der umstand, dass in alten Zeiten hier ein Bauergut lag, welches Hennigt Mittwochs nach Exaudi 1554 an den Richter Franz Herfart für 200 Zitt. Mark verkaufte, die Veranlassung dazu sein. Vielleicht dienten auch die Bauergebäude auf einige Zeit zur Wohnung der Richters. Durch den Ankauf dieses Gutes so wie durch die Erwerbung des Buchberges, welchen derselbe Franz Herfart Donnerstags nach Maria Heimsuchung 1550 von Merthen Tormer für 78 Zitt. Mark käuflich an sich brachte, ist der Grund und Boden des Kretscham beträchtlich vergrößert worden. Hingegen wurden wieder am 11. Aug. 1596 die beiden gärten Nr. 92 und 97 ,so wie in der zweiten Hälfte des 17ten Jahrhunderts die Häuser 105. 111. 112 und zuletzt das Haus Nr. 113 aus jenem erkauften Gute ausgesetzt. Der Grund und Boden bildet aber kein zusammenhängenden des Ganzen. Abgesondert liegt der Bucberg zwischen der Pfarrwiedemuth, den Bierhäusern und dem Bauergute unter nr, 167 und auch der Hauptteil wird durch die Lausur und den obern Viehweg in zwei Hälften, eine größere und einer kleinere geteilt. Der Flächeninhalt beträgt nach dem Flurregister 168 Schfl. 8 Mß. Land, welches ohne den Buchberg zu anderthalb Hufen angenommen wird. Davon besaß der Richter eine halbe Hufe lehnsweise und dienst- und steuerfrei; die ganze Hufe aber war erblich, jedoch haften hierauf die Gemeindelasten und Dienstleistungen nur nach 4 ½ Ruthe. Die Lehnseigenschaft, vermöge welcher der Besitzer des Kretschams allemal Richter war, hat seit dem 19. März 1807 aufgehört. An diesem Tage ließ Richter Joh. Georg Göhle I vom Zittauer Magistrat die halbe Hufe Lehn gegen einen jährlichen zins in Erbe verwandeln. Die Besitzer des Kretschams, welche zugleich das Richteramt verwalteten, müssen später noch genannt werden. An besonderen Gerechtigkeiten gehörten zum Kretscham lt. Alter Kaufbriefe ein freier Bierschank, Salzschank, Backen, Schlachten, samt aller Handteilung, wie solches auf allen Jahrdingen genüget und namhaftig gemacht ist worden, wie Lehns und Lands gebräuchlichen. Hierzu kam in der Folge Brandweinbrennen; denn am 20 April 1703 wurde dem Richter Christoph Göhler III vom Zittauer Rate ein Brandweintopf verliehen. Die Brennerei befindet sich im Gedingehause und ist meist verpachtet gewesen. Bis auf den Bier- und Brandweinschank sind jedoch bei veränderten Zeitverhältnissen die Befugnisse und Gerechtigkeiten des Kretschams, wozu z.B. auch die Bierzüge gehörten, schon längst nicht mehr in ihrer ganzen Ausdehnung geltend gemacht worden. In Beziehung auf den Bier- und Brandweinschank des Kretscham sind hier noch

i) die Schenken

zu erwähnen. Es gibt deren zwei, die obere und die s.g. Sandschenke. Beide sind abhängig vom Kretscham, an dessen Besitzer die Schenkwirte jährlich gewisse Bergütungsquanta zahlen. Beide heißen deshalb auch Beischenken. Die mit dem Steigen der Bevölkerung vermehrte Bier- und Brandweinconfumation machte die Anlegung dieser Schenken nötig. Die obere Schenkwirtschaft befand sich

anfänglich auf dem Garten unter Nr. 237., dessen Besitzer Gottfried Schiffer dieselbe in das von ihm am 16. Mai 1771 erkaufte Auehaus unter Nr. 247 verlegte. Die nieder Schenke oder s.g. Sandschenke, unter Nr. 50 bei der Schafbrücke gelegen, wurde höchstwahrscheinlich zur Zeit des 7jährigen Krieges vom Richter Johann Gottlob Göhle erbaut. Am 30. Juli 1764 verkaufte er sie an Andreas Sommer. – einen Wein- und Bierschank eröffnete ungeachtet des Wiederspruchs von Seiten des Kretschamsbesitzer der Ratstellerpachter Werner zu Zittau im J. 1833 in dem auf dem Bauergute Nr. 174 neuerbauten Hause.

k) der Kretscham zu Neuschönau

dieser, wie schon angeführt, im J. 1731 von Johann Goldberg erbaute Kretscham liegt im s.g. Dörfchen, im eigentlichen Neuschönau an der Gründischen Straße und hat außer Dienst- und Abgabenfreiheit nach der Urkunde vom 4. Jan. 1731 einen freien Bierschank, Branntweinbrennerei, Back- und Schlachtgerechtigkeit. Für die Schankgerechtigkeit bezahlte Johann Goldberg 50 Rthlr. für den Grund und Boden nach zwei Baustellen 30 Rthlr. und für das Brandweinbrennen ist ein jährlicher Canon von 4 Rthlr. an den Zittauer Rat als Herrschaft abzutragen. Johann Goldberg verkaufte den Kretscham schon am 18. August 1732 an seinen Vetter Johann Friedrich Goldberg für 1500 Rthlr. und dieser wieder am 27. Juli 1746 an den Richter, dessen Familie noch im Besitze desselben ist.

i) die Mühlen

Von den vier zu Großschönau befindlichen Mühlen ist die obere Mühle unstreitig die älteste. Sie liegt unterhalb des Kretschams, also am Fuße und Abhange des Schulberges neben der s.g. Mühlwiese und dem Garten unter Nr. 141. Das Mahlwerk, zwei Mahlgänge, ein Spitzgang und eine Bretschneidemühle, wird von einem zwischen der Pfarrwiedemuth und dem Grunde und Boden des Hauses unter Nr. 167b aus der Lausur abgeleiteten Mühlgraben getrieben. Die Zeit ihrer Anlegung ist unbekannt. Die obere Mühle heißt sie schon im J. 1573. Auch der Bretschneidermühle wird schon im J. 1587 gedacht. Sie war sonst herrschaftliches Eigentum und wurde am 23. April 1807 vom Zittauer Rate an den damaligen Pächter Johann Chr. Gottlieb Böhme verkauft. Der jährliche Wasserzins beträgt 118 Rthlr. zahlbar in zwei Terminen und an Getreide hat der Besitzer jährlich 18 Schfl. Korn in Zittau aufzuschütten. Bei vorfallenden Wasserbauten am Wehre und Mahlwerk ist die Gemeinde zu Fuhren und Handdiensten verpflichtet. Von den Pächtern der obern Mühle sind bekannt: Hans Hübel von 1558 bis 1565, dann Müller in der Stegemühle zu Herwigsdorf; ferner Hans Schmidt bereits 1701, starb 1723; Christoph Marschner 1725; Georg Friedrich Richter 1757; Gottlob Tietze 1771.

Die Sage von einer im Niederdorfe am linken Ufer der Mandau (ob in der Gegend des Gartens unter Nr. 401?) gestandenen Mühle lässt sich historisch nicht mehr begründen. Möglich, dass in diesem Falle der linke Arm der die Breiteaue umfließenden Mandau ein Überrest des alten Mühlgrabens wäre. Die zwei Mahlgänge enthaltende Steinmühle, gelegen am Kraftberge und dem rechten Ufer der Mandau zwischen den Häusern unter Nr. 57 und 58 wurde nebst dem Steinmühlteiche von Herwig von Nostiß wahrscheinlich im J. 1568 angelegt und ist herrschaftliches Eigentum gewesen, bis der Zittauer Rat dieselbe am 25. Juli 1807 an Mstr. Johann Gfr. Wagner aus Hainewalde verkaufte. Der Wasserzins wurde zu 69 Rthlr. und 12 Schfl. Korn festgesetzt. Auch hier hat die Gemeinde bei vorgefallenden Bauten am Mahlwerk u. dergl. Fuhren und Handdienste zu leisten. Steinmühle heißt diese Mühle wohl erst seit 1761, wo sie nach dem Brande am 5.Jan. 1761 neu und zwar steinern wieder aufgebaut wurde. Jetziger Besitzer ist Mstr. Joh. August Reinisch seit d. 1. Mai 1825. von den früheren Pächtern dieser Mühle können namentlich nur folgende angegeben werden: Lucas Bortmann 1615; Georg Hamann , 1680; Georg Roscher, 1715; Gottlob Olbrich, 1766 und Johann Gottlieb Zentscher bis 1807 gestorben 1821. Die kleine Mühle, am Mühlgraben der Steinmühle unterhalb derselben zwischen den Häusern unter Nr. 39 und 44 gelegen und unter Nr. 42 katastriert, war ursprünglich ein Auehaus, welches in J. 1701 Andreas Neumann besaß. Dieser vertauschte das Haus am 17. Dezember. 1708 an Mstr. Christian Kaulferch gegen das Haus unter Nr. 25a. Kaulfrerch legte nun nach erlangter Vergünstigung ein Mahlwerk mit einem Gange an, erhielt aber unterm 19. Juni 1713 die Weisung, dass er sich nur mit fremden Mahlgästen begnügen lassen sollte, welche Weisung mittelst Ratsverordnung vom 3. August 1735 aufs Neue eingeschärft wurde. An Wasserzins ist jährlich 18 Rthlr. zu zahlen. Besitzer dieser Mühle sind gewesen: Christian Kaulfersch , sein Sohn gleiches Namens f.d. 12 Juni 1732, Christian Vogt f.d. 11 Mai 1749, dessen Sohn Chr. Vogt f.d. 19 Januar 1764, Joh. Glo. Fabian f.d. 21. April 1786, dessen Sohn Karl Benj. Fabian f.d. 25 Juli 1823 und Mstr. Christ. Glieb Böhme seit 1831.

Die Pochmühle in einem Nebengebäude der Erbhauses unter Nr. 6 ist im J. 1828 angelegt worden. Ihr Erbauer K. Gfr. Goldberg erhielt am 134. September. 1827 die obrigkeitliche Erlaubnis gegen einen jährlichen Wasserzins von 25 Rthlr. und 6 Schfl.Korn. Trefflich ist die mechanische Einrichtung des Mahlwerkes, dessen einziges Hauptrad zwei Gänge treibt.

Von den drei in Großschönau befindlichen

m) Schmiedewerkstätten

ist die niedere Schmiede die älteste. Sie liegt neben den Häusern unter nr. 68. 70. 74a. und b und ist unter Nr. 69 katastriert. Eine Zeit ihrer Anlegung kann nicht angegeben werden, doch war sie schon im 16. Jahrhundert vorhanden. Im J. 1554 den ersten Sonntag im Advent verkauften Richter und Schöppen einen Flecken aus der gemehne michel Freimell dem Schmiede vom 1x Zittauer Margk. Dieser Schmiedegarten hatte einen beträchtlichen Umfang, seitdem aber derselbe vom neuen Mühlgraben (vergl. Anmerk. 99 G. 67) durchschnitten wurde, verkaufte Besitzer der Schmiede aus demselben nach und nach einzelne über dem Mühlgraben gelegene Pläne, z.B. wo jetzt das Haus nr. 74a steht. Außer dem genannten Freimell hat die niedre Schmiede folgende Besitzer gehabt: Michel Glatte; Jorge Henne f. 12 Juni 1563; Jakob Hille f.d.t. Steph. 1564; Michel Glatte wiederum f. Dienst. N. Judica 1566; Dauidt Ahnesorge f. 16. März 1569, nach ihm Bartel Friedrich, Mathes Weber f. 5 Mai 1579 (von der Gemeinde ); Nickel Hartman f. 23. Febr. 1581; dann Maß Bergmann; Fabigen Pommer f. 5 März 1589, nach ihm sein Sohn Merten Pommer bereits 1609; George Schober f. 10 Febr. 1636 (von der Gemeinde); Martin Strohbach f. 28 Aug. 1644; sein Sohn Michael Strohbach f.d. 7 Mai 1683; Hans Friedrich f. 13 April 1687 (von der Gemeinde); sein Sohn Christian Friedrich f. 14. August 1714; Joh. Gfr. Döring f. 26. Juli 1760; sein Sohn gleiches Namens f. 13 Jul. 1796; Friedrich Wilh. F. 17 Juni 1811 und Müller f. 1833 der jetzige.

Die obere Schmiede katastriert unter Nr. 182, zwischen den Häusern unter Nr. 183, 184, und 198 und am Aueteich gelegen, wurde zu Ende des 17ten Jahrhunderts erbaut und von der Gemeinde an Friedrich Strohbach verkauft. Nach ihm waren Besitzer: sein Sohn Friedr. Strohbach vom 30. April 1721, Johann Adam Reselt vom 5. März 1753; dessen Wittwe Anna Elisab. Geb. Strohbach; Georg Ehrenfried Jsrael f. 5. Febr.. 1783 und der jetzige Joh. Glieb. Israel f. 26 Febr. 1808. am 12. (oder 17.) Januar 1747 brannte die obere Schmiede nebst dem Hause unter Nr. 184a ab.

Die dritte Schmiede hat der Bauer Johann Gottlieb Michel in Nr. 79 nach erhaltener obrigkeitlicher Erlaubnis vom Juli 1829 auf seinem Grunde und Boden erbaut.

gesehen von 41



Artikel teilen:

Bild des Tages

Unterwegs in einer Nacht in der Adventszeit

Unterwegs in einer Nacht in der Adventszeit

Zur Galerie